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Kanazawa University International Award in Commemoration of Daisetz T. Suzuki and Kitaro Nishida
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“Kleine Fächer - Große Potenziale” Richtlinie zur Förderung von wissenschaftlichem Nachwuchs in den geistes- und sozialwissenschaftlichen Kleinen Fächern


Der 33. Deutsche Orientalistentag findet vom 18. bis 22. September 2017 an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena statt.


Stellungnahme der DMG zur DFG Fächerstruktur (Fachkollegien 2016-2019)


Der 32. Deutsche Orientalistentag fand vom 23. bis zum 27. September in Münster statt:
Pressemitteilung zur Eröffnungsveranstaltung.
Foto der Eröffnungsveranstaltung.



Archiv

Weingartener Afrika-Gespräche 5.-7.12.2014. - Link nicht mehr aktiv


Colloquium on Islamic Coins, Halle, 22.11.2014


Gerald D. Feldmann -Reisebeihilfen der Max-Weber-Stiftung für 2015. Bewerbungsschluss 6.10.2014.


24.09.2010 - DMG-Forschungspreis 2010 - Junior-Prof. Dr. J. Scheiner - Die Eroberung von Damaskus

22.09.2010 - Ehrenmitgliedschaft Prof. György Hazai

19.04.2009 - Ehrenmitgliedschaft Prof. Michael Witzel


(1) Stellungnahme zur Einrichtung des Faches “Islamische Studien” an deutschen Universitäten - Berlin, den 25. Oktober 2010

Sehr geehrte Damen und Herren,

als Erster Vorsitzender der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft (DMG), des größten wissenschaftlichen Fachverbands orientalistischer Disziplinen in Deutschland, erlaube ich mir, Ihnen im Namen des gesamten Vorstands die anhängende “Stellungnahme von Fachvertreterinnen und -vertretern der Islamwissenschaft und benachbarter akademischer Disziplinen zu den Empfehlungen des Wissenschaftsrats vom Januar 2010 und zur Einrichtung des Faches “Islamische Studien” an deutschen Universitäten” zuzuleiten (pdf-Dokument, s.u.).

Das BMBF hat am 14.10.2010 bekanntgegeben, an den Universitäten Tübingen und Münster / Osnabrück die Einrichtung eines neuen, bekenntnisgebundenen Faches namens “Islamische Studien” zu fördern. Diese Bezeichnung geht auf entsprechende Empfehlungen des Wissenschaftsrats (WR) vom Januar dieses Jahres zurück. Mit der vom WR vorgeschlagenen Fachbezeichnung „Islamische Studien“ für ein eindeutig theologisch definiertes Fach (WR-Empfehlungen S. 86) werden die Grenzen zwischen Islamwissenschaft und bekenntnisgebundener islamischer Religionslehre trotz gegenteiliger Behauptungen verwischt und sind, wie sich immer deutlicher zeigt, für Außenstehende nicht mehr erkennbar. Mit ihrer Übernahme tragen das BMBF wie auch die beteiligten Landesregierungen und Hochschulleitungen in der Tendenz dazu bei, die Grenzen zwischen Theologie und Kulturwissenschaften zu verwischen, und gefährden dadurch wie mancherorts auch durch die Lokalisierung des neuen Faches die verfassungsmäßig gebotene Religions-Neutralität der nicht religiös gebundenen akademischen Lehre und Forschung. Wie weit die Begriffsverwirrung bereits fortgeschritten ist, wird nicht nur in der medialen Berichterstattung deutlich, wo das geplante theologische Fach immer wieder als “Islamwissenschaft” bezeichnet wird.

CDies alles halten wir für eine bedenkliche Entwicklung, die dazu geeignet ist, die verfassungsmäßig gebotene Religionsneutralität der staatlichen Hochschulen wie auch die Stellung der nicht religiös gebundenen akademischen Lehre und Forschung ernsthaft zu gefährden. Den fachwissenschaftlichen Inhalt der Stellungnahme verantworten die unten genannten Islamwissenschaftler. Bei Nachfragen wenden Sie sich bitte an:</p>

PD Dr. Rainer Brunner
E-mail: brunner@vjf.cnrs.fr
Prof. Dr. Heidrun Eichner
E-mail: heidrun.eichner@uni-tuebingen.de
Prof. Dr. Patrick Franke
E-mail: patrick.franke@uni-bamberg.de
Prof. Dr. Ulrike Freitag
E-mail: ufreitag@zedat.fu-berlin.de
Prof. Dr. Stefan Reichmuth
E-mail: stefan.reichmuth@rub.de

Mit freundlichen Grüßen

Prof. Dr. Claus Schönig
Erster Vorsitzender der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft

Stellungnahme zur Einrichtung des Faches “Islamische Studien” und Unterschriftenliste

(2) Die Deutsche Morgenländische Gesellschaft hat am 22. September 2010 auf ihrer Allgemeinen Versammlung in Marburg Herrn Professor Dr. phil. György Hazai zu ihrem Ehrenmitglied gewählt.

(3) Die Deutsche Morgenländische Gesellschaft hat am 19. April 2009 auf ihrer Allgemeine Versammlung in Göttingen Herrn Professor Dr. phil. Michael Witzel zu ihrem Ehrenmitglied gewählt.

Sie ehrt in ihm eine herausragende wissenschaftliche Persönlichkeit, die durch bahnbrechende Untersuchungen die Erforschung des indischen Kulturraums entscheidend vorantreiben und zentrale Fragestellungen zur Sprach-, Text-, Religions- und Mentalitätsgeschichte einer Lösung zuführen konnte. Michael Witzel hat das Fach Indologie auch methodologisch in seinen Kernbereichen zukunftsweisend geprägt sowie angrenzende kulturhistorisch orientierte Fächer angeregt und bereichert. Durch die Anwendung von Methoden der historischen Sprachwissenschaft, der Indoiranistik und indischen Philologie in Verbindung mit Feldforschungen konnte er auf einer Anzahl von Spezialgebieten wegweisende Forschungserträge erbringen. So in der Veda-Forschung durch die Lokalisierung vedischer Dialekte, durch Editionen unikaler Texte, mittels einer in Angriff genommenen Neuübersetzung des Rigveda, durch seine Arbeiten zur vedischen Textüberlieferung und Religionsgeschichte sowie durch Ansätze zu einer Hermeneutik vedischen Denkens aus der Innenperspektive. Die mittelalterliche Regionalgeschichtsforschung verdankt ihm wertvolle Beiträge zur Sprach- und Kulturgeschichte der Großräume Kaschmirs und Nepals. Von besonders großer Strahlkraft haben sich seine Arbeiten zur indo-arischen Einwanderung in der Auseinandersetzung mit einer indo-zentristischen Geschichtsauffassung erwiesen. Damit einher gehen seine federführende Beteiligung an der wissenschaftlichen Widerlegung eines indo-arischen Substrats der Indus-Kultur sowie die international mit besonderem Widerhall aufgenommene Deutung der sog. Indus-Schrift als Zeichen mit Symbolcharakter. Über Forschungsleistungen im engeren Sinne hinaus hat sich Michael Witzel bleibende Verdienste auch durch seine unermüdlichen und erfolgreichen Bemühungen um die Aufrechterhaltung der Rationalität in der Wissenschaft sowie für eine ideologiefreie Geschichtsdarstellung des Hinduismus eingesetzt.

Michael Witzel blickt nicht nur auf ein quantitativ und qualitativ äußerst reiches Forscherleben zurück, sondern hat sich als Herausgeber namhafter Fachzeitschriften sowie der Harvard Oriental Series um die Förderung orientalistischer Publikationen verdient gemacht. Als Präsident bedeutender wissenschaftlicher Gesellschaften und durch seine Wahl in die American Academy of Arts and Sciences hat er hohe Auszeichnungen erfahren.

Der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft hat Michael Witzel von 1972 bis 1977 als Direktor des unter ihrem Dach geführten Nepal-German Manuscript Preservation Project, und von 1974 bis 1977 als Direktor des Nepal Research Centre gedient, und ist ihr im Ausland, nach seiner Berufung über Leiden an die Universität Harvard als Wales Professor of Sanskrit, als Mitglied verbunden geblieben.

Die Deutsche Morgenländische Gesellschaft freut sich, mit Michael Witzel den Kreis ihrer Ehrenmitglieder um einen herausragenden Wissenschaftler erweitern zu können und wünscht dem Geehrten auch weiterhin ungebrochene Arbeitskraft, Ausdauer und beispielgebende Entschiedenheit dort, wo die Autonomie der Wissenschaft bedroht ist.

(4) Stellungnahme der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft zur beabsichtigten Änderung der Semesterzeiten (Vorlesungszeiten) - Berlin, den 11. Mai 2009

Die Hochschulrektorenkonferenz hat einen Vorstoß unternommen, den Vorlesungsbeginn ab 2011 auf März und September zu verlegen, und hat dieses Ziel in der Mitgliederversammlung im Januar 2009 erneut bekräftigt (Pressemitteilung 28.01.09). Begründet wird dies damit, dass die Semesterzeiten den „internationalen Gepflogenheiten“ angepasst werden sollen, um den akademischen Austausch für Studierende zu erleichtern. Dabei wird unterstellt, dass durch die jetzigen Semesterzeiten ein solcher Austausch erschwert oder verhindert wird. Ob dies tatsächlich der Fall ist, ist weder durch statistische Untersuchungen, noch durch überzeugende Beispiele belegt.

In der Praxis sind die Nachteile der jetzigen Regelung nicht erkennbar:

• Die vorlesungsfreie Zeit bildet zeitliche Pufferzonen, so dass die jetzigen Semesterphasen Oktober-Februar und April-Juli sich mit den Phasen anderer Länder (September-Dezember und März-Juni) faktisch nicht überschneiden. Daher wird der internationale Austausch durch die derzeitige Phasenverschiebung keineswegs, wie behauptet, behindert.

Der angestrebte Effekt würde nur begrenzt erzielt:

• Die angestrebte internationale Angleichung würde auch durch die Verschiebung der Semesterphasen in Deutschland nicht erreicht, da es neben den vorgeschlagenen Semesterzeiten grundlegend andere Modelle gibt, wie z.B. Trimester (an manchen Universitäten in Großbritannien und den USA). Für den Austausch mit diesen Ländern bzw. Universitäten wäre also nichts gewonnen.

Dagegen würde die geplante Umstellung mehrere Nachteile mit sich bringen. Für Studierende ergeben sich folgende Probleme:

• Die neuen Semesterzeiten harmonieren nicht mit dem deutschen Schulsystem. Die ohnehin knappe Bewerbungsphase zwischen dem Abitur und dem Studienbeginn im Wintersemester würde durch die Neuregelung derart verkürzt, dass die Schulabgänger sich nicht mehr mit ihrem Abiturzeugnis bewerben könnten. Verteilungs- und Auswahlverfahren könnten auf diese Weise nicht mehr sinnvoll durchgeführt werden.

• Studierende haben bisher den September als Ende der allgemeinen Ferienzeit im Sommer oft für Praktika genutzt. Durch die Neuregelung könnte es in Zukunft schwieriger werden, Praktikumsplätze zu finden.

Auch für den wissenschaftlichen Austausch ergeben sich Nachteile:

• Bisher können Dozenten und Forscher die Phasenverschiebung nutzen, um Universitäten im Ausland während des dortigen Semesters zu besuchen, ohne dass der Lehrbetrieb an der Heimatuniversität beeinträchtigt wird. Diese Möglichkeit wird derzeit häufig für Gastvorträge und Workshops genutzt und erleichtert den internationalen wissenschaftlichen Austausch; durch eine Gleichschaltung der Semesterzeiten würde sie entfallen. Gerade in den „Kleinen Fächern“, die oft nur eine Professur haben, ergibt sich dadurch ein Vertretungsproblem.

• In vielen Disziplinen – auch in der unseren – ist der September ein beliebter Monat für internationale Konferenzen. Die Teilnahme an solchen Tagungen würde durch die Neuregelung erschwert.

• Insbesondere in den orientalistischen Disziplinen ist Feldforschung in der heißen Jahreszeit nicht überall möglich. Daher ist der September ein wichtiger Monat für Feldforschung und Grabungen, der für diesen Zweck freigehalten werden sollte.

Aus diesen Gründen sind die Vorteile der Neuregelung nicht erkennbar; dagegen ergeben sich mehrere gravierende Nachteile für Studierende und Lehrende. Die geplante Umstellung würde einen erheblichen bürokratischen Aufwand bedeuten, der keine nachvollziehbare Verbesserung der Situation herbeiführt.

Die Deutsche Morgenländische Gesellschaft spricht sich daher gegen die geplante Neuregelung der Semesterzeiten aus. Dem internationalen Austausch scheint die geplante Maßnahme nicht zuträglich zu sein.

Um den internationalen Austausch von Studierenden zu erleichtern, wäre es sinnvoller, die Überregulierung von Studiengängen abzubauen und unbürokratische Einzelfallregelungen zuzulassen. Die größte Hürde – und zwar nicht nur für den Austausch mit ausländischen Universitäten, sondern sogar zwischen deutschen Universitäten – ist das oft viel zu enge Korsett der Bachelor-Studiengänge.

Zudem hat sich bei der Einführung der Bachelor-Studiengänge das Problem ergeben, dass die Vorlesungszeit sich durch die neu anfallenden Prüfungsphasen schleichend um ein bis zwei Wochen verlängert. Durch diese stillschweigende Verkürzung der vorlesungsfreien Zeit wird es für die Lehrenden zunehmend schwieriger, ihrer Forschungsverpflichtung in ausreichendem Maße nachzukommen. Ob sich dies durch die geplante Verschiebung der Semesterzeiten verändern würde, ist unklar. Die Deutsche Morgenländische Gesellschaft spricht sich dafür aus, den Erhalt der vollen Vorlesungsfreien Zeit in jedem Fall durch geeignete Maßnahmen sicherzustellen.

Univ.-Prof. Dr. Claus Schönig,
Erster Vorsitzender der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft

(1) In der Allgemeinen Versammlung vom 04.05.2008 in Würzburg wurde der Vorstand der DMG für die Amtszeit vom 01.01.2009 bis 31.12.2011 neu gewählt. Für die ausscheidenden Vorstandsmitglieder Prof. Dr. Stefan Leder, Manfred Hake und Prof. Dr. Dymitr Ibriszimow wurden Prof. Dr. Claus Schönig, Prof. Dr. Michael Streck und Frau Dr. Leslie Tramontini gewählt.

(2) In der Allgemeinen Versammlung vom 23.04.2005 in Freiburg wurde der Vorstand der DMG für die Amtszeit vom 01.01.2006 bis 31.12.2008 neu gewählt. Für das ausscheidende Vorstandsmitglied Prof. Dr. Michael Hahn wurde Frau Prof. Dr. Heidrun Brückner gewählt.

(3) In der Allgemeinen Versammlung am 7. April 2002 in Würzburg wurde für die Amtszeit vom 1.1.2003 bis 31.12.2005 der Vorstand der DMG gewählt.

(4) In der Allgemeinen Versammlung der DMG am 7.April 2002 in Würzburg wurde Professor Dr. phil. Oskar von Hinüber zum Ehrenmitglied der Gesellschaft gewählt.

Sie ehrt in ihm einen international hoch angesehenen Gelehrten, der die Forschung auf wichtigen Gebieten der Indologie entscheidend vorangetrieben hat. Seine Arbeiten haben für zentrale Bereiche dieser Forschungslandschaft Grundlagen geschaffen und bis heute ihren Rang als Standardwerke behalten.

Seine fachliche Kompetenz, die über die eigentliche Methodik der Indologie hinausweisend auch die Methoden der Klassischen Philologie und der diachronen Sprachwissenschaft einzubinden vermag, hat namentlich im Bereich der Buddhismuskunde, der mittelindischen Sprachgeschichte und der indischen Paläographie zu bedeutsamen Erträgen für die Forschung geführt, die nach der systematischen Breite und historischen Tiefe einer methodensicher durchgeführten Auslotung in der gesamten Fachwelt uneingeschränkt anerkannt sind. Anhand eines umfangreichen Œuvres von annähernd zwanzig monographischen Abhandlungen, einhundert Aufsätzen und Hunderten von indologischen Fachartikeln in Enzyklopädien und Wörterbüchern sowie als Herausgeber namhafter Fachzeitschriften hat Oskar von Hinüber beispielhaft gezeigt, welch großartige Früchte ein der akademischen Forschung und Lehre gewidmetes und von unerschütterlicher Arbeitsdisziplin gekennzeichnetes Leben zu erbringen vermag.

Die Themen seiner Arbeiten zeigen eine ungewöhnliche Breite des wissenschaftlichen Interesses. Dieses richtet sich auf die indische Geschichte, auf Sprachgeschichte und Syntax der mittelindischen Sprachen, auf Fragen des buddhistischen Klosterrechts, umfaßt die Erforschung buddhistischer Sanskrittexte Zentralasiens, entwirft ein Bild der materiellen Kultur Indiens und erschließt den indischen Kulturraum durch maßgebliche Bearbeitungen epigraphischer und paläographischer Quellen, die von Nordpakistan bis Südostasien reichen.

Die Deutsche Morgenländische Gesellschaft wünscht Oskar von Hinüber, daß seine Arbeitskraft noch lange ungebrochen erhalten bleibe und die vornehme Zurückhaltung seiner eigenen Person sowie die von ihm eingeschlagenen Wege und Ziele der Forschung, welche niemals flüchtigen Moden wissenschaftlichen Zeitgeistes unterworfen und stets nur aus den inneren Notwendigkeiten des Forschungsgegenstandes entwickelt wurden, auch kommenden Generationen ein würdiges Beispiel sein mögen.

Mitteilung vom 8.04.2002:

Die Allgemeine Versammlung der DMG hat am 7. April 2002 in Würzburg eine Resolution zur Novellierung des Hochschulrahmengesetzes verabschiedet:

Pressemitteilung 7. April 2002

_Resolution zur Novellierung des Hochschulrahmengesetzes _

Stellungnahme zur Einführung von Juniorprofessuren und zu den neuen Befristungsregelungen für wissenschaftliche Angestellte

Die Deutsche Morgenländische Gesellschaft (DMG) hat sich in ihrer Mitgliederversammlung am 7. April 2002 in Würzburg ausführlich mit der Einführung von Juniorprofessuren und den neuen Befristungsregelungen für wissenschaftliche Angestellte durch die Novellierung des Hochschulrahmengesetzes beschäftigt.

Die Deutsche Morgenländische Gesellschaft sieht mit großer Besorgnis, daß mit diesen änderungen eine Entwicklung eingeleitet wird, die speziell die orientalistischen Fächer in ihren Arbeitsmöglichkeiten einschränkt. Sollten die Regelungen umgesetzt werden, wird es in weiten Bereichen der Orientalistik kaum noch möglich sein, hochqualifizierte Nachwuchswissenschaftlerinnen und wissenschaftler längerfristig zu beschäftigen.

Die auf den ersten Blick großzügige Regelung des neuen § 57b HRG, wonach wissenschaftliche Angestellte ohne einen sachlichen Grund bis zu zwölf Jahren befristet beschäftigt werden können, wird für die Absolventen der orientalistischen Fächer dadurch erheblich eingeschränkt, daß wegen der notwendigen zusätzlichen Sprachkompetenz längere Ausbildungszeiten erforderlich sind, die bis in die Promotionsphase hineinreichen. Diese Zeiten werden bisher in der Regel durch Beschäftigungen als geprüfte wissenschaftliche Hilfskräfte überbrückt. Die Zeiten als wissenschaftliche Angestellte können danach in vollem Umfang für die wissenschaftliche Tätigkeit genutzt werden. Diese Möglichkeit würde künftig entfallen, wenn die Zeiten als geprüfte wissenschaftliche Hilfskraft auf die neuen Höchstzeiten angerechnet werden.

Die Einführung der Juniorprofessur und der damit einhergehende Wegfall der bisherigen C 1- und C 2-Stellen bedeuten für die Orientalistik eine weitere Verschlechterung. Gerade in den sogenannten kleinen Fächern, die über nur wenige Professorenstellen verfügen, ist es in der Regel notwendig, die Zeit nach der Habilitation bis zum Ruf auf eine Lebenszeitstelle durch eine weitere befristete Beschäftigung zu überbrücken. Hierfür haben sich die bisherigen Hochschuldozenturen (C 2) hervorragend bewährt. Auch nach Abschluß der Juniorprofessur werden nicht alle Wissenschaftlerinnen oder Wissenschaftler sofort einen Ruf erhalten. Aufgrund des begrenzten Stellenangebots werden sie vermehrt ihren Berufsweg im Ausland suchen müssen.

Diese Personengruppe hat nach der starren Befristungsregelung von maximal zwölf Jahren nach gängiger Rechtspraxis künftig keine Möglichkeit mehr, auf einer Projektstelle bis zum Erhalt einer Professur weiter zu forschen. Darunter würden nicht nur die betroffenen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler leiden, sondern es würde auch die Arbeit in diesen Fächern in erheblichem Umfang eingeschränkt werden. Damit ginge zugleich ein höchst dynamischer und innovativer Bereich der Forschung verloren.

Diese negativen Konsequenzen, die schon bald Auswirkungen auf die Existenz insbesondere der kleinen Fächer hätten, machen es aus der Sicht der DMG zwingend erforderlich, von der in der HRG-Novelle ausdrücklich genannten Möglichkeit, über die zwölf Jahre hinaus im Rahmen des Teilzeit- und Befristungsgesetzes (TzBfG) befristete Arbeitsverträge abzuschließen, in dem sachlich zulässigen Umfang Gebrauch zu machen.

Orientalistische Forschung, in der seit längerer Zeit neben die überwiegend historisch geprägten Sprach- und Kulturwissenschaften Disziplinen getreten sind, die den Blick auf Gegenwartsprobleme richten, braucht zukünftig in noch stärkerem Maße qualifizierte Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler. Bei Durchsetzung der im Hochschulrahmengesetz beschlossenen änderungen wäre die heute überdurchschnittliche internationale Konkurrenzfähigkeit der deutschen Orientalistik und ihr damit verbundenes internationales Ansehen schon bald gefährdet, während der langfristig spürbare Verlust an wissenschaftlicher Kompetenz nur in Jahrzehnten wieder wettgemacht werden könnte. Angesichts der zunehmenden Bedeutung der asiatischen und afrikanischen Länder in der Weltpolitik wäre dies ein hochschulpolitischer Fehler ersten Ranges.

Die Deutsche Morgenländische Gesellschaft appelliert daher an alle Universitäten, im Interesse der Betroffenen in ihren Bereichen entsprechende Regelungen durchzusetzen und alle Auslegungsspielräume bei der Gestaltung der Arbeitsverträge im Sinne der Wissenschaft auszuschöpfen.

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